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Barcamp FAQ - Gebrauchsanleitung für ein Barcamp

Was heisst eigentlich „Barcamp“?

So ganz klar ist das nicht - auf jeden Fall hat nichts direkt mit Orten zu tun, an denen Getränke angeboten werden. Und auch mit dem klassischen Camping hat das erst einmal nichts zu tun.

Also nein: es ist kein Haufen Camper, die sich zum Trinken verabreden ;-) #prost

Vermutlich geht die Barcamp-Bewegung auf eine durch Tim O’Reilly organiserte Veranstaltungsreihe zurück, die er „FooCamp“ (Friends of O’Reilly…?) genannt hat. Und in Programmierer-Kreisen „Foo“ und „Bar“ häufig als Platzhalter für Inhalte verwendet - voilà!

Ebenfalls wird die Bezeichnung „Unkonferenz“ verwendet. Hier wird zum Ausdruck gebracht, dass es eben keine straff durchorganisierte Konferenz mit Sprechern und Keynotes ist.

Wann fand das erste Barcamp statt?

Vermutlich war das das FooCamp von Tim O’Reilly im Jahr 2005 in Palo Alto/Kalifornien. Das erste Barcamp im deutschsprachigen Raum scheint das Barcamp Wien im Jahr 2006 gewesen zu sein, gefolgt von einem Barcamp in den Räumen von Pixelpark in Deutschland.

Wie läuft ein Barcamp konkret ab?

  • Begrüßung durch die Veranstalter
  • Vorstellung der Sponsoren
  • Vorstellungsrunde - Hashtags - kurzes Kennenlernen
  • Session-Pitch
  • Sessions
  • Essen
  • Sessions
  • Essen & Party
  • Wiederhole, falls mehrere Tage

Was macht ein Barcamp im Kern aus?

Bei einem Barcamp geht es um Geben und Nehmen. Im Idealfall sollte sich niemand als reiner Zuhörer oder Teilnehmer verstehen. Entweder er bringt selbst eine Session mit und stellt diese vor, oder er nimmt zumindest aktiv am Austausch innerhalb von Sessions teil. Das bedeutet auch gleichzeitig, dass eine Session kein Frontalvortrag oder gar eine Verkaufsveranstaltung sein sollte.

Was macht ein Barcamp so besonders?

1. Der Austausch

2. Der offene Austausch

3. Der ungeplante Austausch

Wir kennen kaum ein anderes Veranstaltungsformat, wo so offene, neugierige und diskussionsbereite Menschen zusammen kommen, um sich auszutauschen. Der Blick über den Tellerrand ist das wirklich Bereichernde, die ungeplante Themenvielfalt und - bei themenoffenen Barcamps - die inhaltliche Bandbreite. Es kommen Menschen aus ganz unterschiedlichen Professionen und Lebenssituationen zusammen. Eine Garantie kann es natürlich nicht geben, aber bisher waren auf jedem Barcamp zumindest 2-3 wirkliche Highlight-Sessions dabei!  

Wie ist der Umgangston auf einem Barcamp?

Locker. Wir dutzen uns, ungeachtet von Hierarchien und Ämtern. So manch ein Ministerpräsident und Vorgesetzter musste sich daran erst einmal gewöhnen… Weiterhin können auf manchen Barcamps Krawatten direkt am Eingang in einem schönen Sammelkörbchen abgegeben werden ;-)

Wie lange dauert ein Barcamp?

Das kommt drauf an. Sehr häufig sind in der Praxis zwei Tage (und dann meist  Freitag/Samstag) von ca. 9 bis 17h anzutreffen. Aber wenn ein Barcamp neu ist oder ein sehr spezielles Thema hat, gibt es vielleicht auch nur einen Tag. Und wenn es ein Rahmenprogramm (Vorabend-Workshop und After-Barcamp-Show) gibt, kann es auch einmal länger dauern.

Was ist eine Session?

Die Sessions sind der Kern eines Barcamps. Hast Du eine Idee, oder ein Thema, was Dich gerade besonders beschäftigt oder interessiert? Hast Du bestimmte Erfahrungen gemacht, die Du mit anderen teilen möchtest? Möchtest Du etwas diskutieren oder gemeinsam weiterdenken? Dann biete eine Session dazu an!

Wie weiss ich, welche Session für mich interessant ist?

Jede Session wird erst einmal im Session Pitch vorgestellt. Das ist eine KURZE Vorstellung („Hallo, ich bin … und möchte über mein aktuelles Thema … sprechen. Hier geht es um <2-3 Sätze>. Wieviele haben daran Interesse?“).

Diese Infos (Wer, was, wann, welcher Raum?) kommen dann auf das Session-Board. Jeder Teilgeber*In plant dann für sich die Sessions, die er/Sie besuchen möchte. Das abgefragte Interesse dient übrigens nur für eine grobe Einschätzung, wie groß der Raum vermutlich sein sollte - Du kannst Dich jederzeit noch einmal umentscheiden, welche Session Du besuchst.

Und für Anbieter von Sessions: keine Angst vor zu wenig Publikum! Oft ist jedes noch so spezielle Thema für den einen oder anderen interessant. Und Sessions mit wenigen Teilgebern sind meist besonders interaktiv und spannend!

Was ist das Session Board?

Hier werden die Session-Ideen gesammelt, in ganz analoger Weise in Form von Post-Its oder Karteikarten an einer Wand, Fensterscheibe o.ä. Für jeden Barcamp-Tag gibt es übrigens ein eigenes Session-Board. Viele Barcamp-Veranstalter stellen die Session-Wall dann auch in elektronischer Form zur Verfügung, und meist gibt es ohnehin kurz nach der Befüllung erste Fotos des Boards auf Twitter.

Wie lange dauert eine Session?

Hier haben sich ca. 30 Minuten Session - 15 Minuten Fragen und Antworten (oder eben 45 Minuten Interaktion) durchgesetzt. Lass bitte als Anbieter einer Session ca. 15 Minuten Pause zur Erholung, für dringende Geschäfte und den Raumwechsel…!

Aber es gilt auch: eine Session dauert so lange, wie sie dauert (und ein anderer den Raum berechtigterweise für seine Session benutzen will). Wenn das Thema gerade nur 20 Minuten hergibt - auch ok!

Diese Session mag ich nicht!

Na, dann geh’ doch! Ernstgemeint: einfach ruhig aufstehen, vielleicht noch ein freundliches „Danke!“ murmeln und störungsfrei woanders hingehen. Manchmal ist das Thema einfach gerade nicht interessant oder wichtig genug. Als Session-Geber ist das vielleicht doof, aber nimm’s nicht persönlich!

Muss ich jede Session mitnehmen?

Kannst Du schon machen, aber ist dann eben anstrengend. Ohnehin laufen ja meist mehrere Sessions parallel in mehreren Slots, da verpasst Du dann natürlich die jeweils nicht besuchten - das ist dann leider eben so und gehört dazu. Aber oft machen Teilgeber auch bewusste Pausen zwischen einzelnen Sessions, um sich auszuruhen oder sich mit anderen auszutauschen. Getreu der Devise: „Das Interessante an einer Konferenz sind die Gespräche zwischen den Vorträgen!“. 

Warum heissen die Teilnehmer auch Teilgeber?

Weil geben seliger ist denn nehmen ;-) Es geht im Kern darum, dass Besucher eines Barcamps nicht nur passive Zuhörer sind, sondern sich aktiv ins Geschehen einbringen, mit diskutieren und eigene Sessions halten. Das „ungeschriebene Barcamp-Gesetz“ verlangt übrigens, dass Erst-Teilgeber eines Barcamps eine eigene Session halten müssen…!

Was ist mit „keine Heizdecken“ gemeint?

(Danke an das Barcamp Lübeck ;-) Im Grunde kann jeder seine Themen auf ein Barcamp mitbringen, die ihm gerade wichtig sind und dazu eine Session halten. Allerdings - und da sind die anderen Teilgeber meist sehr wachsam! - sind „Verkaufs-Sessions“ alles andere als gerne gesehen. Du kannst schon sagen, wer Du bist, bei wem Du arbeitest, und vielleicht noch, dass Du gerade an einem Buch schreibst. Aber: verkaufe niemals Deine Produkte und Dienstleistungen in einer Session. Wenn Du Werbung machen willst, kannst Du Barcamp-Sponsor werden und dann Deine Flyer etc. verteilen. Aber auch dann: eine rein werblich orientierte Session geht meistens nach hinten los!

Warum ist Twitter so wichtig?

Tja, keine Ahnung. Mensch kann halt schnell mal was raushauen, was andere dann lesen, das weiterverbreiten oder darauf antworten. Bilder und Videos können angehängt werden, über Hashtags kann ein Kontext gegeben werden. Oft wird direkt aus den Sessions gezwitschert, natürlich mit dem Barcamp-Hashtag, dem Thema der Session (und gerne auch dem Twitter-Handle des Session-Gebers!).

Hat sich halt so durchgesetzt, und meist gibt es noch eine Social Wall (oder Twitter Wall), die im Foyer des Barcamps das Twitter-Geschehen groß präsentiert. Das hat schon seinen Reiz!

Was sind eigentlich diese „Hashtags“

Das sind diese lustigen #Worte, die mit dem „Hash“-Zeichen # beginnen und ein bestimmtes Thema, Meme oder eben ein Barcamp bezeichnen. Auf Twitter kann der niemals endende Kommunikationsstrom so in halbwegs geordnete(re) Bahnen gelenkt werden. Es gehört zum guten Ton für jedes Barcamp, ein eigenes Hashtag zu haben, z.B. #bcki20 für das Barcamp Kiel im Jahr 2020 (liebe Grüße :-)

Gibt es auch Barcamps für Unternehmen?

Ja, immer mehr! Auch Firmen und Organisationen haben das Barcamp-Format für sich entdeckt und organisieren ein internes Barcamp entweder nur für Mitarbeiter und nahestehende Menschen. Oder sie profitieren von der Vielfalt und laden auch externe Teilgeber zu einem offenen Unternehmens-Barcamp ein.

Was kostet ein Barcamp?

Für wen jetzt? Als Teilgeber kannst Du viele Barcamps vollkommen kostenfrei (aber nie umsonst!) besuchen, oder zahlst einen geringen Unkostenbeitrag von vielleicht 10 - 50 Euro. Manche sehr spezialisierte Barcamps sind vielleicht auch einmal teurer, aber so ab gefühlten 75 bis 100 € kriegt es einen deutlich kommerziellen Charakter.

Aber natürlich müssen Räume, Technik, Essen und Trinken, Sicherheit usw. auch bezahlt werden, und meist in aller Regel von Sponsoren. Diese sind dann großzügig auf dem Barcamp präsent, werden in der Eröffnungssession erwähnt, dürfen ihre Logos anbringen und oft werden sogar Räume nach ihnen benannt.

Warum sind Sponsoren wichtig?

Siehe oben - die Kosten sind dann leider doch nicht unerheblich. Für Sponsoren ist ein Barcamp zudem eine gute Möglichkeit, sich einer offenen und aufgeschlossenen Zielgruppe einmal anders zu präsentieren und mit möglichen Mitarbeitern und Kunden ins Gespräch zu kommen. Aber Achtung: eine allzu direkte werbliche Ansprache wird hier nicht gerne gesehen.

Kann ich meine Kinder zum Barcamp mitbringen?

Oft: ja. Am besten vorher fragen, gelegentlich gibt es sogar eine eigene Kinderbetreuung. Und wir haben es auch schon häufig erlebt, dass von Kindern und Jugendlichen sehr inspirierende Sessions gehalten wurden, das ist dann besonders beeindruckend!

Gibt es etwas zu Essen und zu Trinken auf einem Barcamp?

Wir würden auf keines gehen, das nichts anbietet ;-) 

Ja, meist gibt es eine mehr oder weniger ausführliche kulinarische Versorgung, teilweise sogar mit großen Frühstücks-Buffet, Mittagessen, Kaffee & Kuchen und abendlichem Grillen. Und Kaffee/Tee/Waser gehört eigentlich immer dazu. Letztlich muss das alles natürlich jemand bezahlen, also hängt das entweder von spendablen Sponsoren oder einem etwas höheren Eintrittsgeld ab.

Was ist das mit den T-Shirts?!

Das ist schon ein ziemlicher Hype und so mancher Profi-Barcamper hat reichlich T-Shirts im Kleiderschrank. Als kleine Geschenke gibt es auf einem Barcamp eben T-Shirts, oder auch mal Taschen oder andere Goodies (Das Beachcamp in Sankt Peter-Ording hält übrigens den Preis für die schönsten maritimen Barcamp-Goodies!). Hübsch wäre doch mal eine Zusammenstellung aller Barcamp-Goodies als Fotoalbum?!

Gibt es genügend Kaffeetassen auf einem Barcamp?

Ja. Nein. Bring Deine eigene mit, zeig Individualität und Umweltbewusstsein! Und hilf mit, aufzuräumen, Flaschen wieder in Kisten zu stellen, bring Geschirr zurück und sammel Müll ein #danke

Wie läuft die Anmeldung für ein Barcamp?

Meist musst Du schnell sein! Bei den „großen“ Barcamps ist der Ansturm auf die Anmelde-Webseite meist extrem, so mancher Server klappt jedes Jahr wieder zusammen. Ansonsten gibst Du Deinen Namen, E-Mail und Twitter-Handle ein und kannst oft noch Essenswünsche und die Größe des Barcamp-T-Shirts angeben. Dann erhältst Du ein elektronisches Ticket, dass Du ausdrucken oder - besser für die Umwelt - als QR-Code auf Deinem Smartphone mitbringen kannst.

Warum sollte ich absagen, wenn ich doch nicht zum Barcamp gehen kann?

Damit andere Menschen auf der Warteliste eine Chance haben…! Manche Barcamps merken sich übrigens, wer sich anmeldet und dann doch nicht erscheint, ohne abzusagen. Und das willst Du nicht, weil unsozial ;-)

barcampr Nils